Die neuapostolische Kirche bewegt sich. Aber wohin?

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Entschlafenenwesen der Neuapostolischen Kirche (Teil 1)

Der Glaube an ein Weiterleben nach dem Tod ist im christlichen Glauben fundamental. Auch neuapostolische Christen glauben an ein Weiterleben der Seele über den irdischen Tod hinaus und meinen, recht genau zu wissen, was in den sogenannten jenseitigen Bereichen geschieht.

Nur: Die Vorstellung darüber, was sich im Jenseits vermeintlicherweise spielt, ist nicht etwa biblisch begründet, sondern ist fast ausschliesslich durch "Erlebnisberichte" und Träume ihrer Mitglieder sowie durch höchst eigenartige "Bibelauslegungen" der neuapostolischen Apostel geprägt.

Unter allen christlichen Kirchen einzigartig ist der okkulte Kult, der im neuapostolischen Entschlafenenwesen zum Ausdruck gelangt, nämlich die stellvertretende Sakramentsspendung für Verstorbene an Lebenden.

Wir Christen wissen nur sehr wenig über das Jenseits

Der Glaube an ein Weiterleben nach dem Tod geht davon aus, dass mit dem irdischen Tod zwar die biologische, raumzeitliche und gesellschaftliche Existenz des Menschen endet, jedoch die Seele als substanzielles "übermaterielles göttliches Lebensprinzip" von Gott in einem immateriellen Leben erhalten wird.

Die Bibel und dort insbesondere die Jesusworte geben uns verschiedene Hinweise auf ein solches Weiterleben nach dem Tod, ohne jedoch dazu genauere Aussagen zu machen. So wissen wir nur sehr wenig darüber, wie wir uns ein solches Jenseits als Lebensbereich der Seelen von Verstorbenen vorstellen können und was die Seelen dort erwartet.

Stellvertretende Sakramentsspendung für Tote von christlichen Kirchen als unbliblisch abgelehnt

Zur Sakramentsspendung an die Seelen der Toten findet sich im neuapostolischen Katechismus, dem Büchlein Fragen und Antworten, folgende Aussage: Wir wissen, dass wir für die Toten beten können [...], damit auch sie der Erlösung teilhaftig werden. Sofern sie die vom Gnadenaltar ausgehende Heilsbotschaft ergreifen, wird Gott sie weiterführen und ihnen auch die Gnadenhandlungen zugänglich machen, die stellvertretend für die Toten von Lebenden hingenommen werden. (Frage 249).

Die hier skizzierte Praxis wird von allen christlichen Kirchen abgelehnt, teilweise sogar scharf kritisiert.

Auf diese Kritik am NAK-Entschlafenenwesen nimmt Dr. Reinhard Kiefer (theologischer Mitarbeiter im NAK-eigenen Friedrich Bischoff Verlag und seit 2007 auch verantwortlicher Redakteur für die Leitgedanken zum Gottesdienst) in seinem bekannten Vortrag Was glauben neuapostolische Christen? (Aachen am 11. April 2000) Bezug. Darin sagt er, dass die Praxis der stellvertretenden Sakramanetsspende für andere Christen "eine befremdliche Sache" sei und "Irritation und Ablehnung" auslöse. Dabei vergisst Kiefer zu erwähnen, dass das Entschlafenenwesen auch in den eigenen Reihen zunehmend Fragen aufwirft, ja auch Befremden und immer öfter auch Ablehnung auslöst.

Dann versucht Kiefer reichlich hilflos zu erklären, dass der Grund für die Ablehnung durch andere Kirchen beim Verschweigen und Verdrängen des Todes in der modernen Gesellschaft zu finden sei. Dabei ist die Erklärung doch ganz einfach: Die Ablehnung erfolgt, weil der Kult der stellvertretenden Spende von Sakramenten für Tote an Lebenden biblisch einfach nicht begründbar ist!

Und um diese biblische Grundlage weiss der "NAK-Hoftheologe" Kiefer - wie weiter unten aufgezeigt wird - sehr genau.

NAK und Mormonen: Gleicher Kult, gleiche Begründung

Gleich wie andere Kirchen akzeptiert auch die NAK die Mormonen nicht als christliche Kirche. Es erstaunt daher nicht, dass die NAK-Führung ihren Mitgliedern gefliessentlich verschweigt, dass die Mormonen auch dem unbiblischen und daher okkulten Kult der sogenannten Vikariats- oder Totentaufe frönen.

Und genau wie die Mormonen stützt auch die NAK diese kultische stellvertretende Totentaufe auf 1. Kor 15, 29 ab (Was soll es sonst, daß sich einige für die Toten taufen lassen? Wenn die Toten gar nicht auferstehen, was lassen sie sich dann für sie taufen?).

Es braucht kein Theologiestudium, um zu festzustellen, dass diese Bibelstelle in keiner Art und Weise impliziert, dass eine (stellvertretende) Taufe der Toten notwendig sei! Sie besagt genau so wenig, dass Paulus selbst Tote getauft oder eine Vikariatstaufe befürtwortet hätte. Paulus erwähnte die Totentaufe einfach, und zwar völlig kommentar- und wertungsfrei.

Wir wissen deshalb heute nicht einmal, ob eine solche Totentaufe in der christlichen Gemeinde Korinth oder aber in einer der schon damals vorkommenden Sekten vollzogen wurde. Die Totentaufe könnte sogar heidnischen Ursprungs sein.

Kiefer: Im Neuen Testament kein Entschlafenenwesen im neuapostolischen Sinne

Wie bereits angesprochen, ist dem "NAK-Hoftheologen" Dr. Reinhard Kiefer bewusst, dass das NAK-Entschlafenenwesen biblisch nicht begründbar ist. Er selbst sagt in seinem erwähnten Vortrag unmissverständlich: "Zweifelsohne ist im Neuen Testament ein Entschlafenenwesen im oben skizzierten Sinne [Anmerkung: gemeint ist die neuapostolische stellvertretende Sakramentspendung an Lebende] nicht vorhanden, doch enthält es, gerade wenn man an die zitierten Ausführungen von Berger [Anmerkung: der Theologe Klaus Berger] denkt, durchaus Implikationen, die zu seiner Entfaltung und Spezifizierung einladen."

Kiefer hat beim Lesen von Bergers Theologiegeschichte des Urchristentums eine Kleinigkeit übersehen: Berger erwähnt nämlich, dass 1.Kor.15,29 nicht von einer stellvertretenden und heilsbringenden Taufe zeuge, sondern vielmehr von einem ein Gebet um Taufe, das durch Waschung vorbereitet sei ...

Wie auch immer: Ausser Neuapostolen und Mormonen hat in dieser Bibelstelle niemand eine Implikation zur Entfaltung eines speziellen Totenkultes "erkannt". Und demzufolge hat auch keine andere Kirche der christlichen Welt nach eigenem Gutdünken ein derart okkultes Entschlafenenwesen kreiert.

Eisegese anstatt Exegese

Schon Petrus schrieb: Davon redet er [Anmerkung des Verfassers: Gemeint ist Paulus] in allen Briefen, in denen einige Dinge schwer zu verstehen sind, welche die Unwissenden und Leichtfertigen verdrehen, wie auch die andern Schriften, zu ihrer eigenen Verdammnis.

Tja, und so geschehen in der NAK: Anstatt sich zu Bemühen, die Bedeutung biblischer Texte zu erkennen und sie entsprechend auszulegen (Exegese), betreibt sie sogenannte Eisegese, d.h. sie fehlinterpretiert eine Bibelstelle (im konkreten Fall wie weiterunten aufgezeigt sogar sehr bewussst) und interpretiert in einen Text etwas hinein, was definitiv nicht darin steht und auch nicht erkennbar gemeint war.

Solche (meist wohl bewussten) Fehlauslegungen sind in der NAK nicht selten anzutreffen, hat die NAK doch immer wieder Bedarf, um - wie in diesem konkreten Fall geschehen - einer kommentarlosen und wertungsfreien Erwähnung eines Ereignisses, einer Handlung etc göttliche Offenbarungen und Weisungen zu unterstellen. Den theologisch unbedarften, oft auch bibelunkundigen Amtsträgern und Mitgliedern fällt das gar nicht auf.

Dabei macht die NAK zusätzlich – diesmal wohl eher in völliger Unkenntnis - einen weiteren Fehler: Aus einer einmaligen Erwähnung einer weiter nicht erläuterten, christlichen oder auch unchristlichen Praxis eine kirchliche Lehre abzuleiten, ist nach jeglicher theologischer Lesart unstatthaft.

Tja, wie schrieb Petrus: Dinge ..., welche die Unwissenden und Leichtfertigen verdrehen ... zu ihrer eigenen Verdammnis. Ob er da vielleicht auch schon rund 2000 Jahre in unsere Zeit vorausgesehen hat?

Unvernünftige, unlogische und fragwürdige Argumentation

Um ihren vielen leichtgläubigen Mitgliedern den unbiblischen Kult trotzdem fehlender biblischer Basis wenigstens pseudo-biblisch zu erklären, greift die NAK zu einer weiteren äusserst fragwürdigen Argumentationsmethodik.

In der Schrift Der Jenseitsglaube der neuapostolischen Christen (2. Auflage 2006) wird - ganz im Widerspruch zur vorstehenden erwähnten Aussage von Dr. Kiefer – unverschämt behauptet, die wenigen biblischen Hinweise seien aussagekräftig genug, um das völlig unbiblische Entschlafenenwesen zu rechtfertigen.

Diese Behauptung wird jedoch gleich im nächsten Satz dieser Broschüre ad absurdum geführt, indem sich die NAK zu folgender Aussage versteigt: ... ist hervorzuheben, dass eine kirchliche Lehre oder Bräuche und Handlungen, die als allgemein gültig und anerkannt angesehen waren, in der Urkirche oft nicht besonders erwähnt wurden und auch nicht zu erwähnt werden brauchten. Aha, die NAK gesteht hier - indirekt zumindest – doch wieder zu, dass es doch keine biblische Erwähnung dieses Kultes gibt.

Tja, eine solche Begründung für eine Glaubenslehre ... das widerspricht sowohl theologischen Grundregeln wie auch jeglicher Vernunft. Auf genau diese Weise liesse sich beispielsweise begründen, dass Frauen damals predigten oder Mädchen von den Juden beschnitten wurden. Man braucht einfach nur zu behaupten, das seien allgemein gültige und anerkannte Bräuche gewesen, die nicht besonders erwähnt wurden.

Mit solch hilflos verzweifelten Begründungsversuchen für ihr unbiblisches Entschlafenenwesen gibt sich das NAK-Apostolat der Lächerlichkeit preis. Aber die meisten ihrer Amtsträger und Mitglieder sind entweder nicht in der Lage oder aber nicht gewillt, das zu erkennen.

Totentaufe auch in der kirchlichen Tradition nicht erwähnt

Wie auch immer: Wie überprüft man nun nun aber eine Aussage, die stellvertretende Totentaufe sei damals so allgemein gültig und anerkannt gewesen, dass sie in der Heiligen Schrift nicht weiter erwähnt zu werden brauchte?

Nun, dafür eignet sich am besten die sogenannte altkirchliche Traditionen. Für die katholische Kirche ist diese Tradition zusammen mit der Bibel Glaubensbasis und Richtschnur, da die göttliche Wahrheit nicht allein in der Schrift, sondern in der Verbindung von Schrift und Tradition zu finden sei.

Auch wenn die Tradition in der evangelischen Theologie als Glaubensgrund abgelehnt wird (sola scriptura), so ist unbestreitbar, dass gerade die verschiedenen Schriften aus der ersten Zeit des Christentums uns wichtige Informationen und Hinweise für eine bessere, eine korrektere Auslegung der Schrift und damit auch für ein besseres Verständnis geben. Man beachte, dass verschiedene dieser zusätzlichen Schriften, wenn die damaligen Kirchenmänner anders entschieden hätten, heute auch in der Bibel stehen könnten.

In der kirchlichen Tradition fragt man sich beispielsweise: Was haben denn die Urchristen gemacht, wie wurde es damals vor 2000 Jahren in der alte Kirche gemacht? Gibt es eine alte Tradition, eine alte Schrift, aus der ersichtlich ist, wie es schon die Apostel gemacht haben? War diese Tradition schon in der ganzen alten Kirche verbreitet, so daß man daraus den Schluß ziehen kann, daß es sich tatsächlich um eine uralte, auf die Apostel zurückgehende Tradition handelt? Auf viele solche und ähnliche Fragen werden Antworten gesucht.

Wäre also die Totentaufe tatsächlich ein so allgemein anerkannter Brauch gewesen, wie das die NAK ihren treuherzigen und gutgläubigen Mitgliedern weiszumachen versucht, hätte sie ganz bestimmt in der kirchlichen Tradition Erwähnung gefunden. Das ist jedoch nicht der Fall. Es gibt keine weiteren Hinweise auf eine Taufe der Toten.

Wieviel müssen wir über das Totenreich wissen?

Wir finden in der ganzen Bibel keine genauen Hinweise auf das Leben nach dem Tod.

Man darf sich daher ruhig fragen: Deutet nicht gerade das Fehlen von genaueren biblischen Hinweisen zu den jenseitigen Bereichen darauf hin, dass das Wissen darüber für uns Menschen keine Bedeutung hat?

So könnte ja auch das Gleichnis von Lazarus und dem reichen Mann dahingehend ausgelegt werden, dass nicht nur zwischen verschiedenen Bereichen des Jenseits eine unüberwindbare Kluft besteht, sondern diese Kluft auch zwischen dem Diesseits und dem Jenseits besteht?

Mainfestierte Unglaubwürdigkeit der neuapostolischen Kirchenleitung

Schwerer als sich lächerlich zu machen wiegt, dass sich die neuapostolische Kirchenleitung ganz offensichtlich nicht an ihre eigenen hochoffiziellen Beschlüsse hält und schon gar nicht die sich daraus ergebenden Konsequenzen - im konkreten Fall eine Korrektur der Lehre - zu ziehen gewillt ist. Mit anderen Worten: Sie ist unglaubwürdig!

Fakt ist: Im Herbst 2004 wurde nach der Bezirksapostelversammlung (notabene dem höchsten Entscheidungsgremium der Neuapostolischen Kirche, in dem der Stammapostel und alle amtierenden Bezirksapostel einsitzen) in Nizza unter anderem das offiziell bekräftigt:
Aussagen über einzelne Bibelbücher oder Bibelstellen, aber auch die Aussagen der heute lehrenden Apostel und Amtsträger der Kirche müssen in der Heiligen Schrift einen konkreten Anhalt haben.
Wie die bisherigen Ausführungen, die durch die Aussage von Dr. Reinhard Kiefer als theologischem Schwergewicht in der NAK bestätigt werden, aufzeigen, findet sich in der Heiligen Schrift kein konkreter Anhalt für ein Entschlafenenwesen neuapostolischer Machart. Konsequenterweise müsste also die Kirchenleitung die Lehre über das Entschlafenenwesen anpassen oder dieses sogar ganz abschaffen!

Da sie das bisher nicht tat, darf man ruhig davon ausgehen, dass verbindliche Beschlüsse und Aussagen der obersten neuapostolischen Geistlichkeit nicht einmal das Papier wert sind, worauf sie geschrieben wurden.

---------- Beginn Einfügung 05.03.07 ----------

Auch Bezirksapostel Knobloch bestätigt: In der Bibel keine Vorschrift für ein Entschlafenenwesen

Dass die Kirchenleitung - nicht nur, aber auch - beim Entschlafenenwesen wider besseres Wissen handelt und Bibelworte bewusst nach eigenem Gutdünken zurecht biegt und so ihre Mitglieder genau so bewusst hinters Licht führt, zeigt dies:

Schon 1986 schrieb Bezirksapostel Günter Knobloch, hauptsächlicher Verfasser der Schrift DAS ENTSCHLAFENENWESEN - EINE DARSTELLUNG DES GLAUBENS UND HANDELNS IM WERKE DES HERRN (Band I und Band II) an Stammapostel Urwyler: "Weil der Herr Jesus keine Vorschriften für die Arbeit an den Entschlafenen hinterlassen hat, wenigstens befinden sich solche nicht im Neuen Testament, sind die Apostel in ihrer Entscheidung frei, nach gangbaren Wegen der Hilfe zu suchen."

Diese Aussage dieses Bezirksapostels, der wohl der beste Kenner des neuapostolischen Entschlafenenwesens war, verdeutlicht das Vorgehen in der NAK: Da wurden und werden nach Gutdünken der Kirchenoberen ganz bewusst unbiblische Sonderlehren (nicht nur zum Entschlafenenwesen) eingeführt und gepflegt, weil die neuapostolichen Apostel sich frei fühlen, eigene Wege zu suchen und zu gehen.

Damit kommen diese Kirchenherren jedoch früher oder später unweigerlich in einen Erklärungsnotstand. Also versuchen sie im Nachhinein mit allen möglichen Tricks, im Nachhinein doch noch eine biblische Begründung zu konstruieren - natürlich sehr wohl wissend, dass ihre Amtsträger und Mitglieder solches nicht zu durschauen vermögen oder oder einfach nicht durchschauen wollen.

Interessanterweise schrieb ja schon alte Apostel Johannes in seiner Warnung vor Irrlehrern: Seht euch vor, daß ihr nicht verliert, was wir erarbeitet haben, sondern vollen Lohn empfangt. Wer darüber hinausgeht und bleibt nicht in der Lehre Christi, der hat Gott nicht; wer in dieser Lehre bleibt, der hat den Vater und den Sohn. (2. Johannes 1, 8+9)

Im Gegensatz zu den selbsternannten Aposteln der neuapostolischen Kirche fühlte sich dieser von Jesus gelehrte und berufene und damit wahre Apostel also keinesfalls frei, die Lehre Christi zu erweitern. Dafür hatten er und seine Mitapostel, die über Jahre hinweg fast Tag und Nacht mit dem Gottessohn zusammen waren, ganz bestimmt ihre Gründe ...

Stammapostel Leber: Man darf nichts dazu tun

Nach all dem hier Gelesenen mag Sie als LeserIn vielleicht auch erstaunen: Stammapostel Wilhelm Leber stimmt mit den zitierten Worten des alten Apostel Johannes überein!

Im Gottesdienst in Osnabrück am 26.11.2007, in dem Leber als Grundlage für die Predigt das Wort aus Prediger 3, 14 (Ich merkte, dass alles, was Gott tut, das besteht für ewig; man kann nichts dazutun noch wegtun. Das alles tut Gott, dass man sich vor ihm fürchten soll.) verwendete, sagte er unmissverständlich: "Jetzt sehen wir mal in unsere Zeit hinein. Was tut man denn dazu? Da gibt es einiges, was mir sofort einfällt. Es gibt so esoterisches Gedankengut im weitesten Sinn, da lässt man auch das Evangelium durchaus stehen; aber man reichert es an mit allen möglichen Dingen. Das ist nicht gut! Man darf nichts dazutun, so sagt unser Wort, sondern so, wie es der Herr gegeben hat, so soll es bleiben. Das besteht ewig. "

Genau das, was Leber hier so einfach als "nicht gut" bezeichnet, macht die NAK wie deutlich aufgezeigt selbst: Sie lässt nämlich das Evangelium in wesentlichen Teilen stehen, reichert es jedoch - so wie hier mit dem Entschlafenenwesen - nach eigenem Gutdünken mit Sonderlehren an, auf die im konkreten Fall Bezeichnungen wie esoterisch, okkult, obskur etc. ohne weiteres anwendbar sind.

Geneigte Leser mögen sich daher fragen: Für wie dumm betrachtet diese Kirchenleitung ihre Mitglieder, dass sie so hochformell verurteilt, was sie selbst macht?

Und wie blind oder abgestumpft mögen insbesondere subalterne Amtsträger, aber auch eine grosse Masse der Mitglieder dieser Kirche sein, dass sie dieses bewusst irreführende Vorgehen dieser Kirchenoberen nicht erkennen oder nicht wahrhaben wollen und diesen Männern weiterhin Glauben, Vertrauen und Geld schenken?
---------- Ende Update 05.03.07 ----------


Absichten hinter der gezielten Irreführung

Da die erwähnte Schrift über den Jenseitsglauben erst nach der erwähnten Bezirksapostelversammlung in Nizza und noch viel länger nach dem Brief Knoblochs an den Stammapostel erschien, stellt sich die Frage nach der Wahrhaftigkeit der NAK-Obrigkeit in aller Ernsthaftigkeit. Nahc den aufgezeigten Fakten und Aussagen kann die Kirchenleitung auf keinen Fall mehr glaubwürdig bestreiten, dass sie nicht weiss, dass es keine biblische Begründung für das Entschlafenenwesen gibt.

Welche Ziele die Kirchenleitung mit ihrem Beharren auf dieser okkulten Irrlehre in Form der stellvertretenden Totentaufe an Lebenden tatsächlich verfolgt, darüber kann nur gemutmasst werden.

Ein wahrscheinlicher Grund ist: Die sogenannten Entschlafenengottesdienste, in denen diese Sakramentsspendungen für die toten vorgenommen werden, berühren viele der Mitglieder emotional sehr stark, weil des die Kirchenleitung vortrefflich schafft, entsprechende Bilder zu „konstruieren“ und den Gläubigen eine ganz bestimmte jenseitige Welt vorzugaukeln.

Ein wichtiger Hinweis auf weitere vermutete Absichten findet sich in einer Sondernummer der Leitgedanken zum Gottesdienst vom März 2001. Der damals amtierende Stammapostel Richard Fehr stellte darin die bisher wohl wichtigste Lehrkorrektur am Entschlafenenwesen vor.

Dazu folgender Hintergrund: Seit Jahrzehnten beansprucht der amtierende Stammapostel die sogenannte Schlüsselgewalt für sich. Diese bezog sich seit 1958 - also der Zeit von Stammapostel Bischoff - auf das Öffnen der Gefängnisse in den jenseitigen Bereichen. Bereits Stammapostel Urwyler hat diese Schlüsselgewalt des Stammapostels 1991 eingeschränkt. Aber der Stammapostel „besass“ weiterhin eine korrekterweise nur Gott vorbehaltene Vollmacht, die Zugänge zum Altar (gemeint ist mit diesem Ausdruck das angeblich heilsspendende neuapostolische Apostelamt) und zum Reich Gottes zu öffnen (Zitat: Das Öffnen der Gefängnisse ist Sache Jesu - das Öffnen des Reiches Gottes obliegt dem Stammapostel.)

Fehr meinte dazu in seinen Ausführungen: Auch bei diesem Thema hat sich vieles entwickelt, ohne dass vielleicht alle Einzelheiten von vorneherein geklärt wurden. Aha, sagt sich der geneigte Leser, Fehr gab damit indirekt zu, dass die zwar nicht formell, aber faktisch doch gelehrte Unfehlbarkeit des neuapostolischen Apostolats und insbesondere des Stammapostels nicht existiert – und dass hinsichtlich des Entschlafenenwesens doch so manche „Einzelheit“ nicht geklärt wurde ...

Richtigerweise verabschiedete sich dieser Stammapostel Fehr daher endgültig von dieser Schlüsselgewalt und damit auch vom bis dahin durchgeführten Kult des Öffnens der jenseitigen Bereiche am Vortag der Entschlafenen-Gottesdienste. Dies sei, so Stammapostel Fehr, nicht erforderlich, denn die Bereiche des Jenseits seien durch das Opfer Jesus bereits geöffnet. Dass ein Stammapostel derart offen eingesteht, dass bisher eine falschen Lehre gelehrt wurde, ist in der NAK ein einmaliges Ereignis.

Ganz ohne ein typisch neuapostolisches "Schmankerl" geht aber auch das nicht. Als Schlussgedanke zu seinen Erläuterungen formulierte Stammapostel Fehr die Worte:Mit diesen sorgfältig aus der Heiligen Schrift entwickelten Gedanken müssen wir in gewisser Weise von traditioneller Lehre Abschied nehmen. Sie spiegeln das ernsthafte Bemühen wider, grössere Klarheit in einen Bereich hineinzubringen, der letztlich ein Mysterium bleibt. Die vertiefte Erkenntnis vermehrt die Sicherheit im Glauben und stärkt die Autorität des Stammapostelamtes..

Diese Autorität des Apostelamtes und des Stammapostelamtes im Speziellen ist den NAK-Oberen eben weiterhin sehr wichtig. Das zeigt sich auch im Beharren auf der faktischen Heilsexklusivität des neuapostolischen Apostolates.

Da jedoch gerade das Stammapostelamt einen wichtigen Teil seiner (zunehmend abbröckelnden) Autorität aus dem Entschlafenenwesen gewinnt, ist anzunehmen, dass hier keine weiteren Korrekturen mehr zu erwarten sind. Der mutige Fehr hat mit der "Rückgabe" der Schlüsselgewalt dem Stammapostelamt wohl bereits genug von seinem erhabenen gottähnlichen Nimbus genommen.

Im Teil 2 dieser Ausarbeitung werden weitere Punkte zum Entschlafenenwesen erläutert. Zudem erfahren Sie aus der Geschichte dieses Entschlafenenwesens Merkwürdigkeiten wie z.B. die Aussonderung von Amtsträgern für das Jenseits etc.

Teile des Artikels editiert am 10. und 27.10.09

Drucken  03.03.2007 01:50

Lesen Sie dazu auch die Kommentare unserer Leser:

Stefan am 03.03.2007 13:30

Hallo René,

interessante Site, interessanter Artikel!

Ich warte ganz gespannt auf den "2. Teil". Lass uns bitte nicht allzu lange warten...

Frage: Gibt es eigentlich "offizielle" Reaktionen seitens der Kirchenleitung auf (D)einen NAK-bezogenen Webauftritt?! Wieviel Bewegung lösen solche Artikel wirklich aus?!

Vielen Dank und viele Grüße
Stefan

ReMuen am 03.03.2007 15:13

Hallo Stefan

Offizielle Reaktionen gibt es nicht und wird es vermutlich auch nie geben. Jedoch wahrgenommen wurde mediasinres.net auch in Kirchenkreisen.

Was solche Artikel bewirken, lässt sich nie abschliessend sagen, schon gar nicht nach dieser kurzen Zeit des Bestehens von mediasinres.net. Ich weiss nur, dass die Artikel über Erwarten oft gelesen werden. Dazu gibt's hier einige wenige Reaktionen direkt als Kommentare sowie etwas mehr Feedback per Email, wobei die Palette der Reaktionen von euphorischer Zustimmung über nachdenkliches Fragen bis zu bitterböser, ablehnender Beschimpfung reicht.

Bestimmt regen manche Beiträge die Leser zum Nach- und Weiterdenken, vielleicht zum Nachprüfen oder gar zum eigenen "Weiterforschen" an - und genau das ist das Ziel dieser Website.

Gruss René

Folkmar Schiek am 03.03.2007 18:21

Liebe Stefan,

das Entschlafenenwesen der NAK - eine wirklich exklusive Lehre, die kein Zeugnis in der Heiligen Schrift findet und von den Vätern der Neuapostolischen Kirche, den katholisch-apostolischen Gemeinden, nie so gelehrt wurde.
Weitere interessante Beiträge hierzu, auch mit Bezug auf die katholisch-apostolische Lehre, finden sich auf meiner Homepage als Artikel ad-087 "Seelenrettung durch Gebet möglich?" und Artikel ad-026 "Ämterrufungen für das Jenseits durch Stammapostel H. Niehaus am 28. Juli 1916.

Grüße aus Stuttgart

Folkmar Schiek
ad fontes.

Klaus Grossmann am 05.03.2007 07:03

Hallo Ihr Lieben,


beim gestrigen 'Entschlafenen-GD' ist mir wieder eines besonders aufgefallen: ausschließlich durch die Spendung des heiligen Geistes durch das Apostolat kommen die Seelen aus ihren Gefängnissen heraus und damit zu Gott.

Man(n) muß schon genau hinhören. Eigentlich ist ja gegen das Gedenken derer, die schon im Bereich der Toten sind, nix schlechtes. Nur wenn sich die entschlafenen Seelen der Anmaßung der Exclusivität der 'Segenshandlungen' (nur durch Apostel werdet Ihr selig) bewußt werden, bezweifele ich, daß sich dieses wirklich zum Segen des Einzelnen auswirkt. Wir sollen- so in der Predigt angsprochen- unvoreingenommen jeder Seele annehmen. Ist ja gut. Aber hier ist der Haken. Sie werden dem Apostolat anempfohlen. Und da ist der Knackpunkt. Helfen kann Ihnen auschließlich Gott!! Apostel sind auch nur hilfbedürftige Seelen, die der Gnade Gottes bedürfen und sonst nix.
Wir werden's ja später mal 'sehen'...(hoffentlich).

Gruß
Kalll (Klaus)

Ulrich Handte am 05.03.2007 09:15

Klaus schreibt ......
Wir werden's ja später mal 'sehen'...(hoffentlich).

@ alle

.... ich persönlich denke und glaube zwar eher, im " jenseits " nicht's mehr zu " sehen " ! - aber wohl dem, wo es zur erbauung im dieseits persönlich hilft. derjennige sollte diesen " hoffnungsstrohhalm " auch festhalten, sich aber gleichzeitig der " abnormen " und " weltfremden " auswirkungen und dehren kosequenzen sich dann auch voll bewusst sein.

gruss
ulrich

manfred_r am 05.03.2007 17:17

Ein Weiterleben findet nicht statt – I

Ich will hier zum ersten Absatz des Artikels einen Gedanken beisteuern, der mit der neuapostolischen, aber auch der populär-christlichen Vorstellungswelt bricht und alle Überlegungen über Totenkulte obsolet erscheinen läßt. Der inzwischen emeritierte Bischof von Limburg, Dr. Franz Kamphaus hat das besser in Worte gefaßt als ich es könnte; deshalb zitiere ich ihn hier in Ausschnitten:

"Christen glauben einzig und allein an Gott, nichts sonst; nicht an die Ewigkeit des Geistes und die Unsterblichkeit der Seele, nicht an die Ewigkeit der Materie und den sich erneuernden Kreislauf der Natur. Sie hängen, wie Luther sagt, ihr Herz ganz und gar an Ihn, und sie tun das im Vertrauen auf Jesus Christus. Wer glaubt, setzt im Leben wie im Sterben ganz auf Gott. Niemand und nichts in der Welt verdient solches Vertrauen. Wer an etwas anderes oder jemanden anderes glaubt als an Gott, verehrt einen Götzen.

Das Credo richtet sich auf "die Auferstehung der Toten und das ewige Leben". Es spricht nicht von einem Leben "nach dem Tod". Gott wird unser jetziges Leben bewahren und vollenden. Christen nehmen den Tod als endgültiges Ende dieses Lebens ganz ernst. Deswegen nehmen sie das Leben ganz ernst. Sie lieben das Leben, nicht den Tod; nicht der Tod macht das Leben lebenswert, sondern die Liebe zum Leben.

...

Der Tod trifft den ganzen Menschen. ... Das irdische Leben wird durch den Tod beendet, es findet keine Fortsetzung über den Tod hinaus. Dennoch behält der Tod nicht das letzte Wort. Das ewige Leben gewinnt Gestalt bereits im zeitlichen Leben in dem Maße, in dem es von Gott umgestaltet wird.

...

Wenn demnach der Glaube für den Menschen und die gesamte Schöpfung ewiges Leben erhofft, dann hofft er darauf, daß Gott ihnen Anteil gewährt an seinem Leben. Wenn Gott uns teilhaben läßt an seinem Leben, dann leben wir ewig wie er. Dann aber ist diese Lebensweise genauso unbegreiflich für uns wie Gott selbst.

...

Ewiges Leben heißt nicht, daß es endlos so weitergeht wie jetzt, es meint nicht eine Verjenseitigung des Vorhandenen. So stellen es sich diejenigen vor, die schon in diesem Leben (eigene Anm.: in geistlicher Hinsicht) alles haben und trotzdem nie genug bekommen; die das, was sie haben, für immer haben wollen. Anderes fällt ihnen nicht ein als ihre private Seligkeit. Christen jedoch lassen sich damit nicht abspeisen. Sie hoffen auf ein Glück, das nicht mit dem Unglück anderer bezahlt wird; auf eine Lust, die nicht Privatvergnügen oder Gruppenprivileg bleibt, sondern alle erfaßt. Alle werden zu ihrem Recht kommen und Frieden finden." Ende des Zitates.

"Wie der Baum fällt, so bleibt er liegen", wird in der NAK oft zitiert, um die Erlösungsbedürftigkeit Verstorbener zu begründen. Die Richtung des Zitats ist danach: Wie du hier auf Erden gelebt hast, so gehst du in die Ewigkeit, deshalb bedenke dein Leben. Das Zitat ist Prediger 11,3 entnommen. Wenn man das Kapitel im Zusammenhang liest und auch noch das folgende Kapitel 12, so wird man allerdings zu einem ganz anderen Ergebnis kommen. Es ist ein „carpe diem!“, das der Prediger uns hier entgegen ruft, wie auch dem Verfasser der Überschrift „Berechne nicht die Zukunft, sondern nütze den Tag!“ klar gewesen ist. Der Prediger selbst sagt in Vers 8: "... Freue dich deiner Jugend, ehe Alter und Tod kommen!" Wenn man jetzt das Originalzitat "... und wenn der Baum fällt ... wohin er fällt, da bleibt er liegen", in diesen Zusammenhang stellt, so sagt es: "Nütze den Tag, denn wenn du fällst, wirst du liegen bleiben und nichts mehr tun können!" Das Wort "wohin" weist dann nicht mehr auf eine Situation hin, sondern bekräftigt den Zustand des Nichtmehrkönnens. Es kann damit zur Begründung eines wie immer gearteten "Entschlafenenwesens" nicht herangezogen werden.

Herzliche Grüße

Manfred

Name der Redaktion bekannt

Günter Sch. am 06.03.2007 00:00

Solange Gläubige Gott bitten, allen Seelen in der jenseitigen Welt gnädig zu sein und ihnen ewige Bewahrung bei ihm zu gewähren, empfinde ich dies als christlich. Die Neuapostolische Kirche geht aber darüber hinaus und vermittelt ihren Mitgliedern von allen Verstorbenen, die zeitlebens nicht die Sakramente dieser Kirche empfingen, ein Jammerbild mit dem Anliegen, diese per Gebet an den neuap. Apostelaltar zu verweisen, damit sie in den Genuss von göttlichen Heilsgaben kommen. Dabei scheut die Kirche sich nicht, auch die in ihrem katholischen, evangelischen oder anderen christlichen Glauben Verstorbenen als der Gebete neuapostolischer Christen bedürftig zu benennen. Die Bereitschaft dazu kitzelt die Kirche aus ihren Mitgliedern auf der emotionalen Ebene heraus, indem sie ihnen insbesondere die Verstorbenen-Gruppen vor Augen führt, die auf tragische Weise ihr irdisches Leben lassen mussten. So verfestigt sich bei den betenden Gläubigen der Eindruck, dass gerade diese ihrer Fürbitten und der Sakramente der neuap. Kirche bedürfen - 'und dann ist alles gut'.

So wurden, wie ich hörte, am 4.3.07 in den Neuapostolischen Gemeinden des Ruhrgebiets speziell in den Kohlegruben verunglückte Bergleute namentlich ermittelt, um sie per Fürbitt-Gebete an den neuap. Bezirksapostel-Altar zu führen, d.h. um sie dort neuapostolisch zu machen. Ob diese Bergleute evtl. als gläubige Katholiken oder anderweitig gläubige Christen durch Grubenunglücke ins Jenseits abberufen wurden, diese Frage blieb in jedem Fall aussen vor. Offensichtlich machte man sich auch keine Gedanken darüber, ob nicht die eigenen Angehörigen der Verunglückten Gott schon gebeten haben oder ihn noch bitten, dass ihre Toten in ihrem Glauben den Frieden zu finden.

Dieses Beispiel steht für viele, wobei die Gruppen sich allein nach der Todesursache bestimmen. Hier sind's die verunglückten Kumpels, anderswo sind es die im Strassenverkehr Umgekommenen.

Lassen wir mal die Frage dahin stehen, ob solche Fürbitten seitens der Neuapostolischen überhaupt etwas am Seelenzustand der toten Katholiken usw. verändern können. Ich finde das Vorgehen der NAK gegenüber ihren eigenen Mitgliedern gewagt (sie wiegen sich in der trügerischen Gewissheit, als seien sie die notwendigen und einzigen Helfer) und gegenüber den lebenden und toten Glaubensbrüdern und Glaubensschwestern in den betroffenen anderen christlichen Gemeinschaften für anmassend und verletzend.

Beten, ja, und zwar für Alle. Aber missionieren in den Reihen anderer Christen im Jenseits, da sage ich: 'Nein!'

manfred_r am 06.03.2007 09:02

Ein Weiterleben findet nicht statt – II

Die Fürbitte für Verstorbene ist auch unter Berücksichtigung der von mir oben beschriebenen Sichtweise statthaft und aus christlicher Sicht angeraten, wenn sie im dem Sinne erfolgt, die Toten der Gnade Gottes anzuempfehlen. Wenn ich von "Totenkult" spreche, meine ich weder das allgemeine Gedenken, die Erinnerung, noch die Fürbitte, sondern die Vorstellung, es bedürfe kirchlicher Handlungen, um die Änderung eines verjenseitigten Zustands Verstorbener herstellen zu können. Das betrifft sowohl die neuapostolische Lehre von der Sakramentenspendung als auch die katholische Praxis der Selig- und Heiligsprechung, sofern sie in Anspruch nimmt, mehr als die öffentliche Darstellung vorbildlichen und beispielhaften Lebenswandels Einzelner sein zu wollen.

Für die NAK hat ihre Lehre der Abhängigkeit Entschlafener von neuapostolischen Sakramentenspendung allerdings eine zwingende Logik. Sie ist im Hinblick auf andere Kirchen keine Anmaßung, denn trotz aller vielleicht andere Erwartungen weckenden Äußerungen in der Öffentlichkeit bleibt es dabei, daß das Apostelamt - und zwar das der NAK - heilsnotwendig ist. Die Anmaßung liegt bereits in dieser Auffassung, nicht etwa, weil eine Kirche sich per se nicht als alleinige Heilsverwalterin betrachten dürfe, sondern weil der NAK dafür jede biblische Begründung fehlt. Die von W. Kühnle anläßlich der Studientagung in Halle vorgetragene Argumentation lautet denn auch: "Die Heilsnotwendigkeit des neuapostolischen Apostelamtes wird sich vom Ende her erweisen", mit anderen Worten: "Das Apostelamt ist heilsnotwendig, weil es heilsnotwendig ist."

Selbst bei dieser Betrachtung liegt eine Anmaßung, und zwar die schwerwiegendste, weiterhin in der Auffassung, Gott könne ohne Wirkung des neuapostolischen Apostelamtes Verstorbenen keine Gnade zuteil werden lassen.

Diese Auffassung, die auch die Lebenden betrifft, läßt sich immer wieder finden; in fast jedem Eingangsgebet zum Gottesdienst-Beginn wird um eine "Verbindung" mit "Segensträgern" gebeten, da - und das wird Gott direkt vorgetragen - "du uns nur auf diesem Wege segnen kannst". Sie fand ihren vorläufigen negativen Höhepunkt in der inzwischen nicht mehr nachzulesenden Behauptung zum "Heilige(n) Geist und seinen Wirkungsweisen", die Verleihung des Hl. Geistes durch Jesus an seine Jünger stelle keine Versiegelung im sakramentalen Sinne dar (und sei damit nicht vollwertig gewesen). Ich muß bei der Behandlung, die Gott in der NAK erfährt, an einen Kettenhund denken, der nach Belieben zurückgehalten oder losgelassen werden kann, um einem, je nach erhaltenen Befehl, entweder die Hand zu lecken oder zuzubeißen.

Manfred

Name der Redaktion bekannt

Günter Sch. am 06.03.2007 17:06

Hallo Manfred,

Sie haben natürlich Recht, dass die Anmassung bei der Behauptung der Heilsnotwendigkeit des neuap. Apostelamtes beginnt.

Gleichwohl darf darauf hingewiesen werden, dass diese Heilsnotwendigkeit im Entschlafenenwesen eine gewisse Entartung erfährt.

Die NAK hält sich in bezug auf lebende christliche Andersgläubige, was die die Bewertung deren selischer Zustände angeht, i.d.R. noch zurück. So wird nicht offen gepredigt oder in der Öffentlichkeit zugänglichen Aktionen der Kirche gesprochen von solchen Mitgliedern anderer Kirchen, dass sie seelisch 'Krüppel', 'Elende', 'in dunklen Gefängnissen Einsitzende' usw.usf. seien. Doch in den Entschlafenen-GD geschieht es, in dem die Nichtapostolischen des Entschlafenenbereichs pauschal so genannt werden. Und wenn darüber hinaus unter dem Aspekt, für die 'Krüppel' usw. sei zu beten, sogar spezielle Namens-Listen von Verstorbenen anderer Konfessionen erstellt werden, dann ist das der Gipfel der Geschmacklosigkeit, nicht nur das, es ist geradezu ein böser Affront gegenüber den Gläubigen anderer Konfessionen, eine nicht zu überbietende Missachtung anderweitiger religiöser Gefühle.

Ich finde kaum Worte für solches w..... Verhalten.

Sicher, das entspricht der Logik der NAK-Lehre. Doch das zeigt einmal mehr, welche Früchte aus einer überzogenen Selbsteinschätzung hervorgehen.

G.Sch.

anonym am 06.03.2007 17:14

Lieber Manfred, danke für deinen gestrigen Beitrag! Ich als Gottsuchende, von der NAK ausgetretene Person bin glücklich, deine Sichtweise gelesen zu haben.

Zum Beitrag von Günther:

"Ich finde das Vorgehen der NAK gegenüber ihren eigenen Mitgliedern gewagt (sie wiegen sich in der trügerischen Gewissheit, als seien sie die notwendigen und einzigen Helfer) und gegenüber den lebenden und toten Glaubensbrüdern und Glaubensschwestern in den betroffenen anderen christlichen Gemeinschaften für anmassend und verletzend."

Diese trügerische Gewissheit kann für andere als extrem befreiend wirken (man hat es in der Hand, wer zu Gott kann und wer nicht) bzw. sehr belastend sein (ich bin dafür verantwortlich, dass gewisse Seelen noch nicht erlöst worden sind). Da frage ich mich wirklich ob das die NAK verantworten kann!
(Schlusssatz von der Redaktion editiert)
LG

manfredok am 09.03.2007 20:58

Zitat:
Sie fand ihren vorläufigen negativen Höhepunkt in der inzwischen nicht mehr nachzulesenden Behauptung zum "Heilige(n) Geist und seinen Wirkungsweisen", die Verleihung des Hl. Geistes durch Jesus an seine Jünger stelle keine Versiegelung im sakramentalen Sinne dar (und sei damit nicht vollwertig gewesen).
Zitatende.

Lieber Manfred,ich kann Dich beruhigen, die Behauptung ist noch nach wie vor zu lesen, auch wenn es so im ersten Augenblick so aus sieht, als wäre alles spurlos verschwunden.

Auf nak.org,steht davon nichts mehr, das stimmt.
Unser Pater J. hat alles gelöscht.

Es gibt aber auch noch ad fontes. Dort steht sie noch, diese Behauptung, wahrscheinlich noch über Jahre, oder auch über Jahrzehnte und ist dort nach zu lesen.

Im Zeitalter der Information, verschwindet so schnell nichts mehr, auch wenn gewisse Leute sich das so wünschen. So schnell wie andere das gespeichert haben , können sie das gar nicht löschen .

Auf ad fontes ist eine Zusammenfassung und Gegenüberstellung der beiden Versionen hergestellt worden. Im Vergleich schön gelb markiert.

Der link dazu:
http://www.adfontes.apostolic.de/pdf/ad-111.pdf

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